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Die Schwangerschaft ist eine sehr aufregende Zeit voller Hoffnung, Unsicherheiten und Vorfreude. Natürlich möchtest du sicher sein, dass es deinem Baby in deinem Bauch gut geht. Dank moderner Medizin kann die Entwicklung und das Wohlbefinden deines Ungeborenen während der Schwangerschaft genau überwacht werden. Neben den Ultraschalluntersuchungen spielt hierbei das CTG (Kardiotokografie) eine wichtige Rolle.
Du wirst mit diesem sogenannten Wehenschreiber vor allem in den letzten Schwangerschaftswochen und während der Geburt Bekanntschaft machen. Was aber wird bei einem solchen CTG gemessen? Wann kommt das CTG-Gerät zum Einsatz und wie läuft die Untersuchung ab? In diesem Artikel erklären wir dir, wie so eine Kardiotokographie funktioniert und was uns die Messergebnisse über das Wohlergehen deines ungeborenen Kindes verraten.
Beim CTG handelt es sich um ein diagnostisches Verfahren, das in der Schwangerschaft und unter der Geburt eingesetzt wird, um die Herztöne des Fötus und die Wehentätigkeit der Mutter aufzuzeichnen. Es wird darum auch als Herzton-Wehenschreiber oder einfach Wehenschreiber bezeichnet. CTG ist eine Abkürzung für den englischen Begriff Cardiotocography, zu deutsch: Kardiotokografie (Kardio = Herz, Toko = Wehe und Grafie = schreiben).
Das CTG hilft den Gynäkologen und Hebammen, den Gesundheitszustand deines Babys zu überwachen und mögliche Auffälligkeiten frühzeitig zu erkennen.
Einige der heute im Kreißsaal üblichen modernen CTG-Geräte können zudem auch die Kindsbewegungen aufzeichnen. In diesem Fall spricht man von einem Kineto-CTG.
Ein CTG dient demnach der Überwachung des ungeborenen Babys. Vor allem während der Geburt ist es wichtig, die Herztöne und das Wohlbefinden des Kindes zu kontrollieren, da die Wehen eine starke Belastung für den kleinen Körper darstellen können.
Die Herzschläge eines Babys zu hören, noch bevor es geboren wird – das ist dank CTG heute selbstverständlich. Doch wusstest du, dass bereits Ende des 19. Jahrhunderts eine bahnbrechende Erfindung gemacht wurde, die dies ermöglichte? Im Jahr 1895 entwickelte der französische Frauenarzt Adolphe Pinard ein einfaches Holzrohr, das später als Pinard-Stethoskop bekannt wurde.1 Mit diesem Gerät konnten Ärzte und Hebammen erstmals die Herztöne des ungeborenen Babys hören, indem sie das Rohr auf den Bauch der Mutter setzen. Eine Revolution für die Geburtshilfe! Auch heute wird das Pinard-Rohr aus Holz oder Aluminium noch von vielen Hebammen genutzt.
Ein CTG ist eine schmerzfreie und unkomplizierte Untersuchung, die in der Regel zwischen 20 und 40 Minuten dauert. Du befindest dich dabei in einer möglichst entspannten Position, meist liegend auf der Seite oder halbsitzend. Die zwei Aufnahmesonden des CTG-Geräts werden mit Gurten an deinem Bauch angebracht:2
Eine Sonde überwacht die Herzaktivität deines Babys mittels Ultraschallwellen (und bei manchen Modellen zeichnet sie auch die Kindsbewegungen auf). Diese wird dort platziert, wo die Herztöne deines Babys am besten zu hören sind.
Der Drucksensor, der die Wehentätigkeit erfasst, wird im oberen Bereich des Bauchs (also am oberen Rand der Gebärmutter) angebracht. Dort sind die Wehen am besten spürbar.
Während der Untersuchung kannst du dich weitgehend entspannen. Manchmal wirst du gebeten, auf einen Knopf zu drücken, wenn du Bewegungen deines Babys spürst. Das hilft, die Aktivität des Babys mit den Herzfrequenzwerten abzugleichen.3
Die Sensoren auf deinem Bauch leiten die empfangenen Signale per Kabel oder drahtlos an einen Computer weiter. Dieser wandelt die aufgezeichneten Werte dann in Kurven, welche auf Millimeterpapier ausgedruckt werden. Die obere Kurve stellt die kindlichen Herztöne dar (in Herzschlägen pro Minute). Die untere Kurve zeigt deine Wehentätigkeit an. Diese ausgedruckten Kurven des CTGs werden als Kardiotokogramm bezeichnet.
Die Auswertung der Kurven ist wichtig und gibt Auskunft über den Zustand des Babys. Für euch werdende Eltern ist so ein CTG aber auch aus einem anderen Grund spannend: Ihr hört dabei den Herzschlag eures kleinen Wunders.
Lange Zeit gehörte das CTG zu den routinemäßigen Vorsorgeuntersuchungen in den letzten Schwangerschaftswochen (etwa ab der 30. SSW). Gemäß den aktuellen Mutterschaftsrichtlinien wird das CTG bei einer komplikationslosen Schwangerschaft ohne besonderen Grund nicht mehr empfohlen. So bietet die Untersuchung nach aktuellem Forschungsstand keine Vorteile für die Mama und ihr ungeborenes Baby.4
Vorgesehen ist es in der Schwangerschaft nur noch bei Risikoschwangerschaften mit bestimmten Auffälligkeiten, wie beispielsweise:5
Auch in Bezug auf die Geburt haben sich die CTG-Empfehlungen in den letzten Jahren verändert. Kam früher eine Schwangere mit Wehen in die Klinik, so wurde meist direkt ein CTG geschrieben, um den Geburtsbeginn zu überprüfen. Hierdurch wurde geschaut, wie regelmäßig die Wehen kommen und wie es dem Baby damit geht. Hattest du bis jetzt eine komplikationslose Schwangerschaft ohne Risiken, so wird ein CTG zum Geburtsbeginn heute nicht mehr empfohlen, da es – wie im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge – keine Nachweise dafür gibt, dass Mama und Kind von der Untersuchungsmethode profitieren.6
Gemäß der S3-Leitlinie “Vaginale Geburt am Termin“ sollten die Herztöne des Babys während der Eröffnungsphase von den Geburtshelfern regelmäßig (alle 15 bis 30 Minuten) mit einem Pinard-Hörrohr oder per Doppler-Ultraschall abgehört werden. Hierfür ist jedoch eine 1:1-Betreuung durch kompetentes Personal notwendig. Leider ist diese Voraussetzung derzeit in vielen Geburtskliniken nicht gegeben. In diesem Fall sollten die Herztöne per CTG überwacht werden.7
Auch wenn beim Abhören Auffälligkeiten der Herzaktivität festgestellt werden, wird ein 20-minütiges Kontroll-CTG geschrieben.8
In bestimmten Fällen ist es jedoch ratsam, das Baby während der gesamten Entbindung per CTG zu überwachen. Ein solches Dauer-CTG wird bei folgenden Risiken empfohlen:9
Bei der CTG-Untersuchung übermitteln die auf deinem Bauch angebrachten Sonden die gemessenen Werte an einen Computer, der diese dann in Form von Kurven auf Millimeterpapier ausdruckt.
Die obere Kurve bildet die Herzaktivität deines Babys ab. Dabei werden die Herzschläge pro Minute angezeigt. Die untere Kurve zeichnet die Wehentätigkeit ab und wird als Tokogramm bezeichnet. Die Wehenstärke wird dabei in der Einheit mmHg angegeben. Diese bezieht sich auf den Druck, der während einer Wehe durch die Kontraktion der Gebärmutter erzeugt wird. Da die Wehen beim CTG über die Bauchdecke gemessen werden, wird dabei jedoch nicht die exakte Stärke einer Wehe gemessen. Dies ist nur bei einer internen Ableitung des Drucks mittels einer Sonde im Uterus möglich.
Wird bei dir ein CTG geschrieben, dass auch die Kindsbewegungen misst, so werden diese zwischen den beiden Kurven in Form von unterschiedlich langen schwarzen Balken abgebildet.10
Vielleicht verunsichern dich die vielen Zacken und Kurven auf dem Papierstreifen. Schlägt das Herz nicht total unregelmäßig? Sind diese Ausreißer nach unten normal? Ist mit meinem Baby alles in Ordnung? Die gute Nachricht: In den meisten Fällen sind diese etwas unregelmäßig verlaufenden Kurven kein Grund zur Sorge und ganz normal.
Bei einem unauffälligen CTG beträgt die durchschnittliche Herzfrequenz deines Babys zwischen 110 und 160 Schlägen pro Minute. Dabei sind kleine Schwankungen ganz normal. So kann sich die fetale Herzfrequenz beispielsweise erhöhen, wenn sich dein kleiner Bauchbewohner bewegt. Dies zeigt sich auf dem Millimeterpapier durch Ausschläge nach oben und wird in der Fachsprache Akzeleration genannt.11
Ebenso kann es zu einer sogenannten Dezeleration, also einem kurzzeitigen Verlangsamen der Herzschläge des Babys kommen. Dies geschieht beispielsweise, wenn du eine Wehe hast. Dabei zieht sich deine Gebärmutter nämlich zusammen, wodurch Druck auf das Köpfchen des Kindes ausgeübt wird, was zu einem vorübergehenden Abfallen der Herztöne führen kann. Mit dem Ende der Wehe normalisiert sich die fetale Herzfrequenz dann wieder.12
Die Überprüfung der Wehentätigkeit dient vor allem dafür, zu schauen, wie dein Baby auf die Wehen reagiert. Kommen die Wehen bereits sehr regelmäßig und in kürzer werdendem Abstand, so ist dies zudem ein Zeichen dafür, dass die Geburt begonnen hat.
Hast du in den letzten Wochen der Schwangerschaft ein CTG, so wirst du vielleicht überrascht sein, dass darauf Wehen verzeichnet sind, obwohl du noch gar keine Kontraktionen spürst. So reagiert der Wehenschreiber auch schon auf sehr leichte Kontraktionen der Gebärmutter. Allerdings lassen sich Übungswehen (auch Braxton-Hicks-Kontraktionen genannt) in der Regel auf dem CTG gut von echten Geburtswehen unterscheiden.
Übrigens: Die Höhe der Kurven zeigt nicht genau an, wie stark eine Wehe ist. So werden lediglich Druckveränderungen auf der Bauchdecke der werdenden Mutter gemessen und diese können individuell sehr verschieden sein. So spielen beispielsweise die Menge des Fettgewebes sowie die genaue Position der Sonde eine Rolle.13, 14
Manchmal kommt es zu Auffälligkeiten beim CTG. Um diese auszumachen, wird das CTG anhand des sogenannten FIGO-Scores bewertet.
Der FIGO-Score ist ein international anerkanntes System zur Auswertung eines CTGs und wurde von der Internationalen Föderation für Gynäkologie und Geburtshilfe entwickelt. Der Score hilft Ärzten und Hebammen, die Herzfrequenzmuster systematisch zu bewerten und die Situation klar einzuschätzen. Bei der Bewertung der kindlichen Herztätigkeit werden vier Kriterien betrachtet:15
Der FIGO-Score teilt die gemessenen Werte dann in die Kategorien „normal“, „suspekt“ und „pathologisch“ ein.
Folgende Tabelle zeigt die normalen und auffälligen Werte auf einen Blick:16
Grundfrequenz (in Schlägen pro Minute) | Bandbreite (in Schlägen pro Minute) | Akzelerationen | Dezelerationen | |
Normal | 110-160 | 5-25 | Sporadische Akzelerationen (2 in 20 Minuten) | Keine |
Suspekt | 100-109 (leichte Bradykardie) oder 161-180 (leichte Tachykardie) | < 5 (länger als 40 Minuten) oder >25 | Periodische Akzelerationen | Die Dezelerationen sind auffällig, gelten aber noch nicht als pathologisch |
Pathologisch | < 100 (schwere Bradykardie) oder
> 180 (schwere Tachykardie) | < 5 (länger als 90 Minuten) | Keine (für eine Dauer über 40 Minuten) | Sehr auffällige und verlängerte Dezelerationen |
Um nun das Wohlbefinden deines Babys zu beurteilen, schauen sich die Ärzte und Hebammen alle Werte des CTGs genau an und es wird ein Gesamtergebnis ermittelt, nach dem das CTG entweder als normal, suspekt oder pathologisch gilt.
Wird das CTG als suspekt oder pathologisch eingestuft, so gilt es als auffällig. Was nun folgt, hängt von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem davon, ob das CTG vor oder während der Geburt durchgeführt wurde. Auch spielt es eine Rolle, welche spezifischen Werte verändert sind.
Bei einem suspekten CTG wird zunächst überlegt, was die Ursache für die auffälligen Werte sein könnten und es werden konservative Maßnahmen unternommen. Hierzu zählt beispielsweise Folgendes:17
Danach wird erneut ein CTG geschrieben. Oftmals zeigen sich durch diese Maßnahmen schon Verbesserungen.
In diesem Fall ist das Risiko hoch, dass das Kind nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Aus diesem Grund sollte neben der Durchführung der oben genannten Maßnahmen ärztliche Hilfe angefordert und die CTG-Werte regelmäßig alle 10 Minuten überprüft werden.18 Gegebenenfalls wird zur weiteren Kontrolle des Gesundheitszustandes des Babys eine Fetalblutanalyse durchgeführt. Dabei werden deinem Kind durch einen kleinen Schnitt in die Kopfhaut ein paar Tropfen Blut abgenommen. Diese werden auf ihren pH-Wert bzw. Säuregehalt untersucht und geben Aufschluss darüber, ob das Baby ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird.19
Je nach Ergebnis der Blutanalyse und anderen Faktoren kann es notwendig sein, das Baby schnell auf die Welt zu bringen, beispielsweise per Saugglocke oder durch einen Kaiserschnitt.
Vielleicht löst die CTG-Überwachung bei dir Unsicherheit und Sorgen aus. Denke daran: Diese Technologie ist dafür da, um das Wohlbefinden deines Babys sicherzustellen. Selbst wenn sich Auffälligkeiten zeigen, gibt es viele Möglichkeiten, um zu reagieren und dich und dein Kind zu unterstützen.
Zudem ist das CTG zwar ein wertvolles Hilfsmittel, es ist aber auch nur ein Puzzlestück im Gesamtbild deiner Schwangerschaft oder Geburt. Hebammen und Ärzte nutzen ihre Erfahrung und weitere Informationen, um die Situation zu bewerten und die beste Entscheidung für dich und dein Baby zu treffen.
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