Auch Babys Seele braucht Nahrung

Körperliche Nähe und Zuneigung sind für die seelische Entwicklung Ihres Babys wichtig – nehmen Sie sich dafür Zeit. Besonders nach der Geburt ist Ihr Baby auf Ihre Nähe angewiesen.

Ihr Baby verlangt nach Nestwärme

Die ersten Lebenstage Ihres Babys können auch als „drittes Stadium der Schwangerschaft“ bezeichnet werden – so sehr braucht Ihr Baby Sie jetzt. Es muss mit dem Verlust der gewohnten schützenden Umgebung fertig werden. Es verlangt nach Ihrer körperlichen Nähe, nach Ihrer tröstenden und beruhigenden Gegenwart. Es klammert sich mit Mund, Händen und Füßen an Ihren Körper.

Ihr Baby macht in seinen ersten Lebenstagen bald die Erfahrung, dass die Erfüllung all seiner Wünsche von seinen Eltern kommt. Dabei lernt es schnell die Mittel kennen und einzusetzen, die seine Wünsche deutlich machen: suchende Bewegungen, Umklammern, Saugen, seine Blicke, sein Lächeln, sein Glucksen, sein Weinen. Beobachten Sie intensiv, wie groß die Ausdrucks-Skala Ihres Babys ist.

Erwacht es aus dem Schlaf und sucht es Ihre Nähe, so beginnt es, Signale nach Ihnen auszusenden. Zuerst wird es unruhig, es atmet schneller, sein Gesicht verzieht sich, und schließlich schreit es, wenn seine Bedürfnisse nicht befriedigt werden. Betrachten Sie dieses Schreien als ein „Signal“. Nehmen Sie es ernst. Gehen Sie auf die Signale Ihres Babys ein und erfüllen Sie seine Wünsche nach Ihrer Nähe. Es gewinnt Vertrauen, wenn Sie seine „Rufe“ beachten – sein Urvertrauen, das den Grundstein für die spätere Gefühlswelt Ihres Kindes bildet, wird geprägt.

Baby sucht beim Saugen mehr als Nahrung

Der Saugreflex Ihres Babys ist stark ausgeprägt, jedoch keineswegs nur, um Nahrung aufzunehmen. Das Saugen wurde schon im Mutterleib „trainiert“. Wenn Ihr Baby jetzt saugt, ob an der Brust oder an der Flasche, sucht es nicht nur Nahrung, sondern auch Geborgenheit, Zuwendung und Trost. Deshalb bedeutet das Wort „stillen“ nicht nur satt machen, sondern gleichzeitig beruhigen, besänftigen, befriedigen.

Wie Ihr Baby Sie mit all seinen Sinnen erlebt

Je mehr Sie auf Ihr Baby eingehen und je öfter Sie es zu sich nehmen, desto ausdrucksvoller wird der Dialog zwischen Ihnen beiden sein. Ihr Kind erlebt Sie dabei mit all seinen Sinnen. Wenn Sie Ihr Baby zärtlich an sich drücken, und es dabei die Körperwärme von Mama oder Papa spürt, fühlt es sich wohl. Auf Berührung reagiert Ihr Baby besonders deutlich. Wenn es weint, können Sie es häufig schon dadurch beruhigen, dass Sie ihm die Hand auf die Brust und das Bäuchlein legen. Ihr Baby erkennt Sie bald. Ist es nicht erstaunlich, dass es Sie im Alter von sechs Tagen bereits von anderen Menschen unterscheiden kann? Ihr Baby sieht Ihr Gesicht über sich am deutlichsten in etwa 20 cm Entfernung, also wenn Sie es im Arm halten. Besonderer Blickfang in Ihrem Gesicht sind die Augen, von denen es sich stark angezogen fühlt.

Ihr Baby blickt Sie oft unverwandt an. Sprechen Sie viel mit ihm. Es lauscht Ihrer Stimme gern, denn sie übt eine große Faszination aus. Babys nehmen am besten die hohen Töne der menschlichen Stimme wahr. Es ist also ganz richtig, dass Mama und Papa instinktiv in einer höheren Tonlage als normalerweise zu ihrem Kind sprechen. Wenn Eltern ihr Baby von Anfang an immer wieder ansprechen, reagiert es schon nach wenigen Tagen auf ihre Stimmen.

Ein Kind kommt mit der Fähigkeit zur Welt, sich anderen Menschen zuzuwenden. Es gibt deutlich zu erkennen, dass es Vergnügen daran hat, wenn man sich mit ihm befasst. Es kann andererseits auch Unbehagen äußern, wenn das Vergnügen zu Ende ist.

Geben Sie Ihrem Baby Ihre ganze Zärtlichkeit

In den ersten Wochen nach der Geburt legen Sie den Grundstein zu einer langen Partnerschaft zwischen Eltern und Kind. Echte, liebevolle Partnerschaft braucht jedoch eine Zeit des Sich-Kennenlernens und des Sich-aneinander-Anpassens, des gegenseitigen Gebens und Nehmens. Lernen Sie deshalb Ihr Baby von Tag zu Tag besser verstehen und gehen Sie behutsam auf seine Signale ein. Sie befriedigen die seelischen und körperlichen Bedürfnisse Ihres Kindes sicher gerne und selbstverständlich und zeigen ihm dabei Ihre zärtliche Zuneigung. Die Liebe zu Ihrem Baby zeigt Ihnen instinktiv den richtigen Weg. Ihr Kind versteht Ihre zärtlichen Umarmungen, Ihr Streicheln, Schmusen, Küssen und Wiegen, Ihr Sprechen und Singen, Ihr Lächeln, Ihre Koseworte.

All die Zeichen Ihrer Zärtlichkeit sind keineswegs sentimental, sondern von grundlegender Bedeutung für die seelische und körperliche Entwicklung Ihres Babys.

Der Vater und sein Kind

Zärtlich zu dem Baby sein ist keine typisch mütterliche Eigenschaft. Es gilt heute auch nicht mehr als „unmännlich“, wenn Papa mit dem Baby schmust und sich mit ihm befasst. So lernt ein Baby schnell, dass es nicht nur eine Mutter, sondern Eltern hat: zwei verschiedene Stimmen, verschiedene Gerüche. Zwei Menschen, die das Baby lieben. Beziehen Sie den werdenden Vater schon in der Schwangerschaft mit ein, so fällt es ihm nach der Geburt leichter mit der neuen Situation umzugehen.

Der enge Kontakt zum Baby soll von Anfang an geteilt werden, damit sich eine harmonische Eltern-Kind-Beziehung entwickelt – die Grundlage für die seelische Entwicklung Ihres Babys, die Basis für sein Hineinwachsen ins Leben.

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